Vortragsreihe: Universität in der Krise? - Forum für Kritik

Wir freuen uns sehr euch zur Veranstaltungsreihe "Universität in der Krise? _Forum für Kritik" des FSR Philosophie einzuladen, die im WiSe 21/22 stattfindet. In neun Veranstaltungen verschiedenen Formats sollen die gegenwärtigen Strukturen, Praktiken und Erfahrungsmöglichkeiten von Universität untersucht werden.

Unikritikplakat

"Was ist Universität?"ist eine Frage, die gestellt wird, seit es Universitäten gibt. Weithin anerkannte Antworten sprechen von einem Ort der freien Lehre und Forschung, der gesellschaftlichen Auseinandersetzung und der Generierung zukunftsweisenden Wissens. Gleichzeitig ist diese Institution und damit auch die universitäre Praxis selbst eingebettet in gesellschaftliche Zusammenhänge und Dynamiken. Universität ist geformt durch ökonomische Zwänge, die sich in der Strukturierung nach Flexibilität, Wettbewerb und Effizienz zeigen.

"Was ist Universität heute?"ist eine Frage, die weithin mit der Tendenz zur Neoliberalisierung - und damit einhergehend - mit der Tendenz zur Krise beantwortet wird. In der Corona-Pandemie hat sich die Tendenz in Krisenphänomenen (bspw. in verschärfter sozialer Ungerechtigkeit oder im Verlust von sozialen Kontakten und ökonomischer Absicherung) verstärkt artikuliert.

 Die Beobachtung dieser Diskrepanz zwischen dem Anspruch von Universitäten einerseits und den realen Bedingungen von Wissensproduktion und -erwerb andererseits bildet den Ausgangspunkt unserer Veranstaltungsreihe und leitet uns hin zu der titelgebende Frage: "Universität in der Krise?".

 Gemeinsam mit Euch wollen wir einen Raum eröffnen, in dem wir die gegenwärtigen universitären Strukturen und Praxen vor dem Hintergrund ihrer historischen Gewordenheit in den Blick nehmen. Referent*innen aus verschiedenen Disziplinen sind eingeladen, ihre Perspektiven zur Diskussion zu stellen oder in gemeinsamer Lektüre und Diskussion verschiedene Perspektiven zu erarbeiten. Wir laden Euch ein, diesen Diskurs mitzugestalten, Beiträgen zu lauschen, gemeinsam nachzudenken und Strategien zu erarbeiten für die Frage "Was tun?".  Die Veranstaltungen können und sollen auch ein Raum dafür sein, eigene Erfahrungen zum Studium an Universitäten und Fachhochschulen, etwa auch zu den Veränderungen während der Pandemie, einzubringen. Wir streben an, mit unserem Programm ein "_Forum für Kritik" zu eröffnen.


Ausführliches Programm:


Krise und Kritik - Tendenzen der Selbstzerstörung der Wissenschaften - Alex Demirovic

28.10.21, 18.30-20Uhr (online)

Befindet sich die Universität gegenwärtig in einer Krise oder sogar in Vielzahl von Krisen? Und wie lässt sich dieses Krisenverhältnis im Zweifelsfall bestimmen?

Im Auftaktvortrag der Reihe soll eine erste Bestandsaufnahme der gegenwärtigen universitären Strukturen und Praxen, d.h. der Bedingungen von Wissensproduktion und -erwerb, angestrebt werden. Daraufhin wird die Frage gestellt, wie zukunftsfähig Hochschulen und Wissenschaften eigentlich sind.


Gemeinsame Lektüre in Vorbereitung für den Workshop mit Gerhard Stapelfeldt

11.11.21, 18.30-20Uhr (Z1)

Wir laden euch ein, in gemeinsamer Lektüre die Texte von Wilhelm von Humboldt, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger und Roman Herzog zu lesen. In Vorbereitung auf den kommenden Workshop mit Gerhard Stapelfeldt, wollen wir erste Eindrücke sammeln und Fragen an die Texte formulieren. Diese können wir im Workshop mit Gerhard Stapelfeldt wieder aufgreifen. Es stehen uns verschiedene Formate offen - von stiller Lektüre über Kleingruppenarbeit bis hin zur gemeinsamen Lektüre und Diskussion im Plenum.

Kritik der neoliberalen Universität - ein Workshop mit Gerhard Stapelfeldt

13.11.21, 9.30-18Uhr (Z1)

Die Umstrukturierung der Weltökonomie nach den Regeln des Neoliberalismus um 1990 kam auch im Bildungsbereich zum tragen. Was aber zeichnet die neoliberale Wissensgesellschaft heute aus und wie ist ihre Entwicklung zu verstehen? In vier Diskussionsrunden sollen diese Fragen anhand historischer Texte zur Wissenschaft von Humboldt, Nietzsche, Heidegger und Herzog erörtert werden.

Wir bitten um eine frühzeitige Anmeldung unter .

Die Universität als Institution weißen (Nicht-)Wissens - Marina Martinez Mateo

25.11.21, 18.30-20 Uhr (Z1)

Universitäten sind in ihrer europäischen Tradition ihrem Selbstverständnis wie ihrem gegenwärtigen Funktionieren nach weiße Institutionen. Aber bedeutet das genau? Welche Konsequenzen entstehen daraus für die Betroffenen sowie für die Form universitären Wissens? Und: Kommt der Philosophie darin eine besondere Rolle zu? In einem offenen Austausch sollen diese Fragen sowie mögliche und bereits erprobte Handlungsräume gegen die Strukturen des Ausschlusses diskutiert werden.

"Mehr als kritisch" - vom Recht auf Dekonstruktion - ein Workshop mit Tatjana Schönwälder und Gloria Freitag

02.12.21, 16-20 Uhr (Raum wird noch bekannt gegeben)

Der Workshop möchte in das Denken Jacques Derridas und in die Dekonstruktion als eine ('mehr als kritische') Haltung einführen - eine Haltung der Befragung der Philosophie, und mit ihr aller Bereiche unseres Denkens, Sprechens, Handelns und (Zusammen)Lebens. Was das genau heißen kann, soll beispielhaft an Derridas Auffassung von 'Universität' als Vollzugsort einer solchen Haltung gezeigt werden. Nach einführenden Hinweisen lesen wir im Anschluss gemeinsam ausgewählte Textstücke aus Derridas 'Die unbedingt Universität' (1998). Wir bitten darum, den gesamten Text im Vorfeld zu lesen; auch dann, wenn ihr nicht alles verstehen solltet. Manches versteht man bei der zweiten Lektüre ›von selbst‹ (besser).

Wir bitten um eine frühzeitige Anmeldung unter .

Wissenschaftsfreiheit. Normative Grundlagen, aktuelle Herausforderungen, mögliche Grenzen - Elif Özmen

16.12.21, 18.30-20 Uhr (Z1)

Die Freiheit von Wissenschaft, Lehre und Forschung ist in Artikel 5 des Grundgesetzes garantiert. Einerseits muss Wissenschaft zwar im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung politisch und moralisch "korrekt" sein, andererseits sind Versuche der gesellschaftlichen Einflussnahme bspw. durch Sanktionieren oder Diskreditierung jedoch hochproblematisch. Mit Bezug auf die aktuelle Debatte um Wissenschaftsfreiheit soll dieses Spannungsverhältnis umrissen und nach den Gelingensbedingungen von freier Wissenschaft und kritischer Universität gefragt werden.

mit einer Replik von Peggy Breitenstein

Gute Digitalisierung, schlechte Digitalisierung - eine Diskussion zum (post-)pandemischen Technisierungsschub an Universitäten - Walid Ibrahim

06.01.22, 18.30-20 Uhr (Z1)

Es wäre eine schlechte Idee, sich an Universitäten der Digitalisierung zu verweigern. Was aber bedeutet das langfristig für die Zukunft des Universitätsbetriebs und den unternehmerischen Kontext, in dem dieser technologische Wandel stattfindet? Was lässt sich aus den letzten zwei Jahren Pandemieerfahrung über den Zusammenhang von Digitalisierung und neoliberaler Hochschule sagen und welche alternativen Szenarien können wir uns vorstellen, die damit zu brechen versuchen?

Bildungsschock: Studentische Proteste und ich. Erfahrungen, Forderungen und Visionen von Studierenden - ein Workshop mit Student*innen der UdK Berlin

15.01.22, 14-18 Uhr (Raum wird noch bekannt gegeben)

Welche Kämpfe führen Studierende gegenwärtig? Welche studentischen Bewegungen gab es in der Vergangenheit und wie beziehen wir uns heute auf diese? Ausgehend von einem Mapping weltweiter Studierendenproteste können Teilnehmer*innen des Workshops über ihre eigene Verbindung zur Geschichte dieser Proteste nachdenken und Plakate entwickeln, die ihr Erleben gegenwärtiger Bildungssysteme spiegeln. Daraufhin werden wir uns der Frage zuwenden, was uns in der aktuellen Lehrpraxis fehlt: Erfahrungen, Forderungen und Visionen werden zusammengetragen und fließen in ein gemeinsames Manifest.

Wir bitten um eine frühzeitige Anmeldung unter .

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What are students fighting for today? What is missing in today's academic education? By mapping global student protests we will reflect upon our own relation to the history of student protests and design posters to express our own experience with and in the education system. To go beyond the workshop we will be collecting claims and visions to write a manifesto. Upon request, the workshop will be in english language.

We kindly ask for early registration for participation at .

Schreiben, Gender, Kollaborieren. Wor(l)dings of doing academia - Lena Eckert

27.01.22, 18.30-20 Uhr (online)

Kann Schreiben widerständig sein? Und was bedeutet das Schreiben als das Schreiben der Anderen? In ihrem Vortrag spricht Lena Eckert über die Möglichkeit der Artikulation von Differenz im Kontext von Bildung, Schreiben und Gender sowie über Ansätze, welche die gängige Schreib- und Wissenspraxis herausfordern. Ein Augenmerk liegt dabei auf queer-feministischen und dekolonialen Schreibkollaborationen

Podiumsdiskussion: Universität und Widerstand

10.02.22, 18.30-20 Uhr  (Z1)

Wie ist es eigentlich um die lokalen Verhältnisse an der FSU Jena bestellt?

Vertreter*innen verschiedener bildungspolitischer Gruppen aus Jena werden sich der Frage widmen, welche Veränderungen der Lehr-, Lern-, Forschungs- und Arbeitsbedingungen an der FSU Jena notwendig sind, welche Handlungsspielräume bereits erschlossen wurden und wie sich diese ausweiten lassen könnten.

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Wir bitten um frühzeitige Anmeldung für die Workshops unter

Der Link für die online-Veranstaltungen lautet:

https://uni-jena-de.zoom.us/j/62193508469

Meeting-ID: 621 9350 8469

Kenncode: 394049

 

Download des Materials (Reader für den Workshop mit Stapelfeldt) unter:

 

Wir danken:

Dem Institut für Philosophie, der FSR-Kom, dem Thüringer Kompetenznetzwerk für Gleichstellung, dem Diversitätsbüro sowie der Ernst-Abbe-Stiftung